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16.02.2019

Digitalisierung – Chancen nicht ohne Risiko

21.01.2019
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Die sensationelle chinesische Mondlandung ist keine technologische Eintagsfliege, sondern Teil eines großen Plans. China hat den Anspruch, zur technologischen Weltmacht aufzusteigen. 
China ist mit der Landung auf der Rückseite des Mondes eine Raumfahrt-Sensation gelungen. Mit Chang’e 4 ist erstmals eine Raumsonde auf der von der Erde abgewandten Seite angekommen, um diesen Teil der Mondoberfläche zu erforschen. Bei der nächsten Mission will China bereits Ende des Jahres die ersten Bodenproben vom Mond einsammeln und zur Erde bringen. Das amerikanische Prinzip „Think Big“ hat die Volksrepublik in der Raumfahrt bereits perfektioniert.
Die globale Expansion des chinesischen Online-Giganten Alibaba unterstreicht die Ambitionen der Volksrepublik ebenso wie die Nachricht, dass Huawei Apple im vergangenen Jahr als zweitgrößten Handyproduzenten überholt hat. Immer öfter beweist China, dass Staatskapitalismus nicht zwangsläufig das schlechtere Wirtschaftssystem sein muss.
In der digitalen Welt ist also China längst auf dem Weg zur Spitze angekommen. 
Und Europa? Der Kontinent wirkt verzagt und ambitionslos. Die schleppende digitale Weiterentwicklung Europas muss mit Sorge gesehen werden.70 Jahre tiefer und bekennender Frieden in Europa – das ist kein Selbstläufer und hängt letztendlich eng mit stabilen wirtschaftlichen Verhältnissen und dem Wohlstand zusammen. 
Die Nachrichten aus China sind für Europa ein Weckruf. Der Kontinent läuft Gefahr, technologisch den Anschluss an die Weltspitze zu verlieren. Doch den vielen politischen Ankündigungen ist bisher kaum etwas gefolgt. Europa muss endlich aufwachen, ansonsten endet der Kontinent so, wie man ihn in China längst sieht: als technologisches Museum.
Auch Deutschland als führende Wirtschaftsmacht in der Europäischen Union bietet außer vagen Andeutungen keine fortführenden Visionen. Das liegt an dem schwierigen Rahmenbedingungen der nunmehr nach dem Brexit bald  nur mehr 27 europäischen Partnerländer und an der Uneinigkeit innerhalb der EU.
Datenklau – auch bei deutschen Politikern? Trotz millionenschweren Budgets in Deutschland ungelöst. Eine in sich selbstverliebte , zuweilen arrogante deutsche Politik beschäftigt sich mit dem was sie am besten kann – mit sich selbst. Die Probleme der Flüchtlingsintegration, Fremdenfeindlichkeit, das Erstarken von Populisten binden wesentliche Kräfte in der Regierung und in den politischen Parteien. 

Digitalisierung in der Krise?
Der in Wien lebende deutsche  Zukunftsforscher Matthias Horx sieht sich als kritischer Zukunftsoptimist. Er beschreibt in seinem Zukunftsreport 2019 ein Gegentrend-Prinzip.
Die Super-Digitalisierung sieht er gegenwärtig in einer Krise. 
Facebook verlor massiv in den hochentwickelten Nationen. Twitter verzeichnete im 2. Quartal 2018 einen Nutzer-Rückgang von einer Million. Der Grund dafür ist, dass die Sozialen Medien zu extremen sozialen Problemen führen. Hass-Postings oder die Polarisierung der Gesellschaft sind ein Beispiel dafür. 
Am Beispiel der USA führen diese Entwicklungen auch zu einer schleichenden Gefährdung der Demokratie. Das hat alles mit einem fehl geleiteten Algorithmus zu tun, der Empörung im Internet weiter hochschaukelt. 
Unprofessionell recherchiert und unkommentiert. Faire Quellen mit nachvollziehbaren Autoren – im Internet und deren Derivate:  Fehlanzeige. Es herrscht zuweilen eine beängstigende Anarchie im Netz.
Das ist und bleibt die Aufgabe freier, wirtschaftlich unabhängiger Medien.
Darum geht es. 
Heute und morgen.
Horx, bekennender Zukunftsoptimist, sieht durch die Digitalisierung keine Lösung für das Pflegeproblem einer immer älter werdenden Bevölkerung in den hochindustrialisierten Staaten. Eine Lösung von Umwelt- und damit korrelierenden Verkehrsproblemen sind durch die Digitalisierung ohne steuernden menschlichen Einfluss ebenfalls nicht in Sicht.
Es sind dafür immer menschlich-soziale  Entscheidungen gefordert. Mit vorwärts denkenden sozial denkenden Menschen an der Front und in bekennender  Verantwortung.

iPads im Klassenzimmer? 
Ohne die besten Lehrer, die motiviert und hochqualifiziert die ihnen anvertrauten jungen Menschen fordern und fördern, sind dies nur Feigenblätter einer nachhaltig versagenden Bildungs-Gesellschaft für die Welt von morgen. Die Breitband-Netzversorgung weist noch zahllose weiße Flecken auf, vor allem in den ländlichen Regionen. Wie soll ohne flächendeckende Netzversorgung ein zukunftsorientierter Unterricht funktionieren?
Eltern und Lehrer sind gemeinsam gefordert, junge Menschen mündig und kritisch wertend in das digitale Zeitalter zu entwickeln. Das fordert einen radikalen Umdenkprozess. Die Politik ist damit gefordert.
Hier, jetzt und heute.
Die frühzeitig praxisnahe Einbindung des Menschlichen in den Digitalisierungsprozess  ist der Schlüssel einer erfolgreichen Post-Digitalität.
 Die europäische Debatte über eine Digitalsteuer ist ja heute bereits eine rückwärtsgerichtete Sicht. Google, Facebook, Amazon und Twitter & Co. haben diese Schlacht milliardenschwer mit nahezu unversteuerten Milliardengewinnen schon längst für sich entschieden. 
Es geht darum, auch die Sozialen Medien zu zähmen, fair und transparent kontrolliert  zu kanalisieren. 
Es gilt die Anonymität wie mickymaus66 oder goofy91 und daisy11 aus dem Netz zu verbannen.
Was bleibt dann für das freie Internet als weltweit verfügbare Marktplattform bestehen? 
Freiheit der Meinungsäußerung beginnt damit, sich zu seiner Meinung mit seinem Namen auch dazu zu bekennen.  Und zu dieser Meinung auch nachvollziehbar und in voller Verantwortung zu stehen.
Digitale Erschöpfung?
Für jeden Menschen hat der Tag 24 Stunden. Nicht mehr aber auch nicht weniger. 
Niemals zuvor gab es in den hochindustrialisierten Staaten mehr an Mediennutzung wie heute. Und die Mediennutzung steigt mehr und mehr pro Tag.
Die zunehmende  Abhängigkeit der Menschen von digitalen Medien grenzt zuweilen an eine Sucht. 
Dabei werden „analoge“ Beziehungen durch Vernetzung ersetzt. Das Smartphone ist immer dabei. 
Selbst dann, wenn sich bekannte Menschen, Liebende treffen.
Das Smartphone ist immer dabei. 

Wofür, für wen für was?
Vor allem bei jüngeren Menschen entsteht eine Aufwertung des eigenen Selbstwertgefühls durch „Likes“. Das Daumen-nach-Oben-Symbol beginnt vermehrt, die soziale menschliche Beziehung zu ersetzen. 
Allerdings:  Wenn sich dieses Modell als Illusion manifestiert, führt das zum Zusammenbruch des eigenen Wertesystems.
Scheinindentitäten im Netz sind gefährlich und oftmals tief verletzend für soziale Beziehungen. 
Sie sind die zerstörerische Basis für Verschwörungstheorien, Hass-Postings und gezieltem Mobbing.
Eine praxisfremde Wahrnehmung der täglichen Realität, der es mit demokratischen Mitteln und fairer Kommunikation entgegenzuwirken gilt.
Das ist die so wichtige, unverzichtbare Aufgabe freier, wirtschaftlich freier, prosperierender Medien. Dafür aufzustehen, einzustehen, zu kämpfen, ist zur Herkules-Aufgabe geworden.
Wo steht der Staat in der Verantwortung, diese Entwicklung zu fördern? Wie weit kann Künstliche Intelligenz die Gesellschaft voranbringen, die Bildung weiter zu verbessern, Universitäten, Schulen und Bildungseinrichtungen den Anforderungen des Weltmarktes zu entwickeln?
Es gilt, den Bildungsauftrag freier, wirtschaftlich unabhängiger Medien nicht nur zu erhalten, sondern weiter auszubauen.
Dafür lohnt sich der Kampf um jeden einzelnen Leser und Medienkonsumenten! 
Jeden Tag, jede Minute, über alle Medienkanäle hinweg!  Mit Qualität der Inhalte zu überzeugen, das muss das Ziel sein. 
-karma-

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