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23.09.2018

Das Aktuelle Medieninterview – Neustart im Print-Geschäft durch Fokus auf ‚Subskription‘!Mit multimedialer Innovation in die dig

08.08.2018
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PreMedia Newsletter:
Hr. Seidel, die Medienbranche erlebt ja bewegte Umbruch-Zeiten. Neben der fortschreitenden Medienkonzentration verlangen die Auswirkungen der Digitalisierung als Herausforderung, die es zu bewältigen gilt, eine Lösung. Wie schätzen Sie die weitere Dynamik dieser Entwicklung in Bezug auf Gesellschaft und freie Medien ein?

Jens Seidel:
Hr. Malik, herzlich willkommen hier in Ettlingen bei sehr sommerlichen 32 Grad im Schatten. Die fortschreitende Digitalisierung ist für die mediale Zukunft  in der Tat die alles entscheidende Frage. Meine Einschätzung zur ganzheitlichen Medien-Entwicklung ist, auf unsere Kunden und potenziellen Anwender bezogen, dass deren Geschäftsmodelle sich in den nächsten Jahren noch weiter rasch und gravierend verändern werden. Dabei bleibt Print für die Generation 50+ sicherlich ein sehr wichtiges Medium. Die Verlage verfügen mit diesem Geschäftsfeld nach wie vor über großes Potenzial, da gerade diese Zielgruppe der gedruckten, überall nutzbaren Tageszeitung weiterhin sehr treu bleiben wird. 
Für uns als Software-Hersteller bedeutet dies allerdings auch, strategisch vorauszudenken. Unser Ziel ist, dass aus einem System-Paket heraus alle Medienkanäle einfach und sicher bedient werden. Schnittstellen-Probleme dürfen dabei keine Rolle spielen. In dem für uns wichtigen D/A/CH-Markt wird sich das Online-First verstärkt durchsetzen. Die Mediennutzung immer, jederzeit und überall 24/7 ist dabei gefordert.
Die jüngeren Zielgruppen werden sich vorrangig für die Online-Mediennutzung und weniger für Print entscheiden. Die Mediennutzung wird sich mobil über Smartphones und Tablets vollziehen, natürlich in Apps oder im Browser. Das bedeutet einen tiefgreifenden Wandel für Mediengestaltung und Mediennutzung. Allerdings sehe ich durch die Digitalisierung im Markt keine schwarzen Wolken. Sie eröffnet auch Chancen. Natürlich muss es klare und nachvollziehbare Regeln geben. Niemand in einem fairen Wettbewerb darf sich seine Regeln selber machen.
Kürzlich hat ja die französische Regierung ein Smartphone-Verbot an den Schulen beschlossen. Man kann nun darüber diskutieren, ob solche Verordnungen wirklich geeignet sind, die Gesellschaft wieder für mehr direkte Kommunikation zu gewinnen, bei der ein Mensch zum anderen auch persönlich spricht. Ich würde es mir natürlich wünschen. Ich bin ja selbst Vater und beobachte bei meinem Sohn diese Entwicklung sehr genau. Aber aus Kindern und Jugendlichen werden Erwachsene, die reifer und erfahrener geworden sind. Und auch sie werden lesen, kommunizieren und werden sich kritisch mit aktuellen Themen auseinandersetzen. 
Auf die Qualität dieser Inhalte wird es in Zukunft ankommen. Die Abqualifizierung und teilweise Verachtung , denen Journalisten heutzutage manchmal öffentlich ausgesetzt sind, machen mir große Sorge. Solche Tendenzen finde ich erschreckend. Es gilt, Journalisten und Verlage zu unterstützen, kritisch und auch selbstkritisch zu recherchieren und zu publizieren. Wir helfen bei dieser für unser Gemeinwesen so wichtigen Aufgabe mit unseren technischen Lösungen.

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Können Sie unseren Lesern das Unternehmen Funkinform näher vorstellen? Welche Software-Module bietet Funkinform für die Zeitungs- und Zeitschriften- Medien an?

Jens Seidel:
Im Kern bieten wir ein voll integriertes System an. Das ist auch die Basis unserer Unternehmensphilosophie. Wir können damit alle für den Zeitungs- und Zeitschriftenverlag notwendigen Arbeitsprozesse in allen Abteilungen gestalten. Wir bieten dabei sowohl integrierte Lösungen für Print wie auch mobile und Online-Medien, einschließlich eines modernen ePapers.
Im DIALOG-Redaktionssystem können nicht nur beliebig viele regionale Ausgaben und Varianten gestaltet werden, sondern es ist auch bestens geeignet als eine gemeinsame Plattform für mehrere Tageszeitungen, die möglichst eng zusammenarbeiten wollen.
Mit dem DIALOG Anzeigensystem können Print-Anzeigen genauso wie Online-Anzeigen erstellt, verarbeitet, publiziert und abgerechnet werden. Das schließt auch browserbasierte Lösungen mit ein, bei denen etwa der Zeitungsleser als Anzeigenkunde seine Anzeige selber mit Systemunterstützung gestalten kann.
Das DIALOG Web-Portal bietet alle Software-Module für die Online-Berichterstattung, inklusive des Mobile Editor Client (MEC) an. Das hilft dem Lokaljournalisten, seine Aufgaben themenbezogen und aktuell über alle verfügbaren Medienkanäle wahrnehmen zu können. Print, Online, App – alles direkt aus einem System heraus bedienbar. Über unser Management-Informations-System (MIS) fließen sämtliche unternehmensrelevanten Daten zur Auswertung an das Management - wie zum Beispiel Anzeigenumsätze, nach Branchen und Regionen gegliedert, oder Banner-Umsätze im Online-Bereich. Unser DIALOG-Vertriebssystem unterstützt die sehr wichtige Logistik im Vertrieb der Tageszeitung. Bei den Ruhr Nachrichten wird dies im aktuellsten Software-Release zum Einsatz kommen. Eine ganz bedeutsame Referenz für uns. Dabei übernimmt DIALOG neben den vertriebstechnischen Prozessen auch die Abonnentenverwaltung. Und im DIALOG CRM bringen wir die Kundendaten aus Anzeigen- und Vertriebsbereich zusammen, damit die Marktbearbeitung ganzheitlich geschieht.

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Big Data und Data Mining  bedürfen der zeitnahen analytischen Datenauswertung der durchgängig automatisierten Arbeits- und Prozess-Abläufe. Verstehe ich Sie richtig, dass diese Analysen in den zuvor angeführten Arbeitsabläufen integriert durchgeführt werden?

Jens Seidel:
Das sehen Sie richtig, Hr. Malik. Die Datenanalyse richtet 
sich gegenwärtig verstärkt in der Online-Welt aus. Dabei können wir beispielsweise Google Analytics nutzen. In unserem DIALOG-System sind natürlich auch Analyse Tools vorhanden. So zum Beispiel können wir damit erfahren, welcher Artikel wie oft gelesen wurde. Bei den Ruhr Nachrichten ist auch dieses Modul im täglichen Praxiseinsatz. Dazu eine Schnittstelle zu HubSpot.

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Welchen Trend gibt es im Nachfrageverhalten nach hochintegrierter Software? Sind ganzheitliche Lösungen oder Best-of-Class-Lösungen 
seitens der Medienklientel gefordert?

Jens Seidel:
Meine Erfahrung der letzten 24 Monate ist die, dass der Trend eindeutig zu hochintegrierten Systemen geht. Als neuestes Beispiel kann ich einen großen Lokalzeitungsverlag nennen, der bislang vier Systeme einsetzt, die wir mit der integrierten DIALOG-Lösung ablösen werden. Also ganzheitliches Datenmanagement liegt eindeutig im Trend. 
Schon aus unserer Unternehmenshistorie heraus forcieren wir mit unseren Angeboten den integrierten Lösungsansatz.

PreMedia Newsletter:
Hr. Seidel, gibt es bei DIALOG auch eine semantische Suchfunktion? 

Jens Seidel:
Wir verfügen über eine semantische Verschlagwortung. Dabei integrieren wir beispielsweise Softwarelösungen wie TopicZoom oder auch Retresco. Das heißt, wenn der Inhalt erzeugt wird, kann der Anwender die semantische Verschlagwortung nutzen, auch vor allem bei den Online-Publikationen wie auch im Kern-Redaktionssystem angewendet werden. Diese semantische Suchfunktion hilft dem Print- und Online-Redakteur, rasch zum entsprechenden Artikel zu gelangen.

PreMedia Newsletter:
Wird Verlags- und Mediensoftware als Unternehmens-Lizenz gekauft oder setzt sich SaaS durch?

Jens Seidel:
Herr Malik, in den sogenannten klassischen Anwendungsbeispielen für Print im Redaktions-, Anzeigen- und Vertriebsbereich sehen wir 
vorrangig die Nachfrage an Unternehmens-Lizenzen. Im Online-Publishing sehen wir verstärkt cloudbasierte Anwendungen. 

PreMedia Newsletter: 
Herr Seidel, Sie haben soeben cloudbasierte Lösungen erwähnt. Welche Rolle im Context zum Nutzen für den Anwender spielt die Cloud, bei der Software und Daten vom Unternehmen ausgelagert werden?

Jens Seidel:
Ich habe dazu eine klare Meinung. Was die Webanwendungen betrifft, ist die Cloud ein praxisnaher Lösungsansatz. Allerdings alle produktionsrelevanten Daten in die Cloud zu stellen, betrachte ich zum heutigen Zeitpunkt kritisch. Wir als Software-Entwickler sind offen für alle machbaren und sicherheitstechnisch gelungenen Lösungen und können Module in die Cloud einbinden. Die Kunden wünschen allerdings beides und erhalten von uns auch beides, browserbasierte Lösungen und die bewährte Fat-Client-Technologie. Denn nicht nur ich bin aus Gründen der Datensicherheit skeptisch, ob es vernünftig ist, beispielsweise sensible Abonnenten-Daten in die Cloud zu stellen.

PreMedia Newsletter:
Welche Auswirkungen haben diese Umbrüche auf die Software-Entwicklung für Zeitungs- und Zeitschriften-Medien?

Jens Seidel:
Wir haben bei Funkinform in den letzten drei bis vier Jahren unsere Release-Zyklen verändert. Früher waren es ganz große Schritte, etwa von Version 3x auf 4x und auf 4.5. In den letzten zwei Jahren haben wir mit der Fertigstellung der Version 5.0 agil und zeitnah entwickelt, was von unseren Kunden sehr begrüsst wird. Im Dezember 2018 launchen wir die neueste Version DIALOG 5.4. Für unsere Kunden bedeutet das, keine großen Sprünge mehr zu haben, sondern sie bekommen zeitnah ein Update von uns zur Verfügung gestellt.

PreMedia Newsletter:
Die DIALOG-Redaktions-Software bietet neuerdings auch die Vernetzung mit der Amazon-Sprach-Assistenz-Lösung Alexa an. Welchen Vorteil kann der Mediennutzer daraus schöpfen? Welche Weiterungen sind dabei noch für kostenpflichtige Premium-Angebote möglich?

Jens Seidel:
Wir sind gerade kürzlich mit dieser Anwendung in den Markt gegangen. Für uns ein Schritt, um KI verstärkt ins Spiel zu bringen. Wir bieten den 
Verlagen die Möglichkeit, aus DIALOG heraus Inhalte über Amazons Alexa auszuspielen. Damit werden natürlich auch kosten-
pflichtige Premium-Angebote möglich.

PreMedia Newsletter:
Das werden Sie ja auch auf der WAN-IFRA DCX Expo in Berlin zeigen. Was erwarten Sie als langjähriger Premium-Aussteller von der WAN-IFRA DCX Expo 2018?

Jens Seidel:
Ich erwarte, dass durch die Erweiterung der Messe im Sinne von Digital Content zusätzliche Besucher zur Messe finden werden. Wir benötigen wieder mehr Zuversicht und Optimismus in den Medien. Für das Networking ist diese jährliche Messe sehr wichtig. Wir sind sicher, dass unsere Bestandskunden sowie auch interessiertes Fachpublikum die Gelegenheit nutzen werden, sich aktuell über die neuesten Entwicklungen informieren zu können.

PreMedia Newsletter:
Herr Seidel, ich danke Ihnen sehr für das Gespräch.

Jens Seidel:
Sehr gerne, Hr. Malik.

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