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23.04.2018

Medien am Scheideweg?

24.03.2018
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Karl Malik
Die Politik nimmt Digital 4.0 als willkommenes Feigenblatt, um von der eigenen Unkenntnis und Handlungsunfähigkeit im Bereich der digitalen Transformation und deren gravierenden Auswirkungen in Wort und Schrift abzulenken. Darüber visionäre Reden zu halten oder handelnde Konzepte zu haben, sind derzeit weit Lichtjahrzehnte voneinander entfernt. Erfolgreiche Tageszeitungen haben den Trend der Zeit erkannt, während alle von der digitalen Revolution sprechen.  Print und Digital an die Leserbedürfnisse angepasst, genau an die jeweilige Tageszeitung zugeschnitten und am täglichem Nutzungs-Szenario gestaltet. Die Zeitung mit seriöser Recherche mehr und mehr als Magazin zu gestalten, liegt im Trend. Mit gut gemachtem Layout, erstklassigen Fotos und Informations-Grafiken lesefreundlich gestaltete Printprodukte bieten die Basis einer erfolgreichen Markenführung für die Zeitung. Sie bieten damit das Rückgrat für eine multimediale Vermarktung von seriösem Journalismus und Versuchen, multimediale bezahlte Angebote an die Mediengemeinschaft zu liefern. Das große Geschäftsmodell bei der Vermarktung von digitalen Inhalten existiert  - außerhalb der Mediengiganten Google, Amazon und Facebook für Zeitungsverlage - noch?  - nicht. 
Bei den Zeitungsverlagen besteht großer Handlungsbedarf. Die gedruckte Zeitung im Nordischen oder Rheinischen Broadsheet-Format wird es schwer haben, die Jugend für das Lesen zu gewinnen. Das Berliner Zeitungsformat ist sogar im Broadsheet-Format deutlich kunden- und lesefreundlicher. Mit hoher Textlastigkeit und wenig gut gemachten Fotos oder Infografiken bleibt die Abwanderung der Leser vorausprogrammiert. Ausnahmen wie das bewundernswerte Erfolgsmodell „Die Zeit“ ausgenommen.
Das  Print-Design sollte Lust aufs Lesen machen. Wer den Leser in gut gemachte, seriös recherchierte Texte einladen und mit fesselnden Inhalten entführen will, muss mit einem kreativem Zeitungs-Design dafür sorgen, dass der Leser das Lesen nicht als Arbeit, sondern als persönlichen Zu- und Lustgewinn empfindet. Durch eine gutstrukturierte Produktstruktur in Print und den Online-Angeboten funktioniert das auch.
Allerdings: Die Verunsicherung der Zeitungs-Medienhäuser um das Ringen der eigenen Zukunft ist seit Jahren spürbar. Das hat tiefe Spuren in der Lieferindustrie hinterlassen. Eigentlich müssten sich verantwortliche Medienmanager fragen, mit welchem Lieferanten sich die mittel- bis langfristige Zukunft stabil und wertvoll gemeinsam gestalten lässt. Bei den Zeitungs- und Illustrationsmaschien will manroland Web-Systems mit Goss Graphics kooperieren. Eine Entscheidung, die für den Markt nicht leicht verständlich gemacht werden kann. Zumal von Goss Graphics von seiner ehemaligen Substanz und Marktstellung wenig übrig geblieben ist. Die europäischen Standorte in Frankreich und Großbritannien existieren nicht mehr. Das Goss-Geschäftsfeld für Rollenwechsler und Trocknungssysteme („Contiweb“) ist nicht in die Transaktion eingebunden. Das hätte manroland Websystems neben dem Zeitungsbereich auch im Illustrationsmaschinenbau eine ergänzende Ausrichtung geben können. 
Eine ausgeblutete, demotivierte Lieferindustrie verliert neben den schrumpfenden Marktanteilen das Wertvollste: Hochkarätige Fachexperten, die abwandern.
Eine auch für die Anwender  und Investoren sehr gefährliche Entwicklung, über die nachdenkliche Gedanken erlaubt sein müssen.
Ihr Prof. Ing. Karl Malik
Karl.Malik@premedianewsletter.de

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